Fragen überraschter Besucher

Die erste Überraschung erfolgt schon, wenn man vor unserer Tür steht. Es wird erwartet, dass wir einsam und alleine leben, so in der Pampa, und der nächste Nachbar ist ganz weit weg. Besucher denken, dass es mit unseren Hunden doch laut sein müsste, so nach dem Motto: Die bellen und heulen den ganzen Tag! Nein, das tun sie nicht. Erst wenn die Besucher näherkommen, werden sie mit lautem Geheul begrüßt.

Huskyerlebnistouren unterwegs

Dann die die nächste Überraschung: „Die sehen ja gar nicht aus wie Huskys!“ Viele erwarten die plüschigen, kräftigen sibirischen Huskys zu Gesicht zu bekommen. Stattdessen erblicken sie kurzhaarige, drahtige Alaskan Huskys, bis auf einen namens Django. Der ist ein waschechter  sibirischer Husky. Wir haben uns für die Alaskan entschieden, weil diese auch bei höheren Temperaturen laufen können, wenn es den sibirischen „Kollegen“ schon deutlich zu warm ist – aber hauptsächlich, weil sie schneller sind… 😉 Insgesamt ist das Handling der Alaskan Huskys einfacher und fühlt sich „freundlicher“ an als bei den sibirischen Huskys oder gar den Malamuten. Sie besitzen mehr von dem sogenannten „will to please“ als alle anderen Husky-Rassen. Dafür sind sie jedoch wesentlich theatralischer. Wer diese Hunde erlebt hat, weiß was wir damit meinen.

Elsa, Alaskan Husky, mit ihren tollen, blauen Augen

Dann folgt die nächste Überraschung: Wenn die Alaskan merken, dass es gleich losgeht, verwandeln sie sich von vorher ruhigen und ausgeglichenen Hunden in wahre Nervenbündel. Sie drehen dann nicht nur akustisch auf, sondern sie scharren und springen, sie bellen, heulen und schreien regelrecht. Man kann sich kaum vorstellen, dass wir diesen beinahe durchdrehenden Haufen von Hunden gleich wirklich unter Kontrolle haben werden. Wir wurden von Kunden gefragt, ob wir mit diesen Tieren überhaupt die erste Kurve schaffen oder uns doch schon um den ersten Baum wickeln würden. Und doch: Wir haben die Huskys jederzeit unter Kontrolle, es ist noch nie ein Unfall geschehen. Und nach der ersten Kurve hört man keine einzige Frage mehr nach der Kontrolle sondern vielmehr das Jauchzen und Jodeln als Ausdruck der Freude unserer begeisterten Gäste.

Eine aussergewöhnliche Rasse und unser Leben mit dem Rudel. Von Eckard Wulfmeyer und Lisa Pannenberg. – Jetzt als Buch und ebook überall im Handel erhältlich.

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Die meisten unserer Besucher haben selbst Hunde. Und so bekommen wir nach den Touren natürlich regelmäßig Fragen gestellt, die sich um die Themen Zughunde, Haltung und Erziehung der Hunde drehen. Zum Thema Zughunde verweisen wir gerne auf unsere Partnerseite: Zughundeblog. Dort haben wir jede Menge zusammengetragen zu diesem Thema.

Eine beliebte Frage zum Thema Haltung ist diese: „Habt ihr den Erste-Hilfe-Kasten griffbereit direkt am Gehege? So viele Hunde auf einem Haufen zoffen sich doch andauernd, nicht wahr?“ Nein, das tun sie nicht! Sie müssen still miteinander auskommen und sie müssen als großes Team im Gespann vertrauensvoll mit uns zusammenarbeiten. Und dass das alles funktioniert, liegt einzig und allein daran, wie wir unsere Hunde halten und wie wir mit ihnen umgehen. Das hat auch weniger mit Ausbildung und Training zu tun, als vielmehr mit gegenseitigem Respekt, mit Achtung und Vertrauen. Man kann dies nicht trainieren oder einüben, man muss es sich erarbeiten. Und man bekommt diesen intakten Zusammenhalt auch nicht geschenkt.

Es kann in einem Gespann auch immer nur einen einzigen Chef geben, der sagt, wo es lang geht, denn sonst gibt es großes Chaos und Durcheinander. Dieser eine Chef muss dafür sorgen, dass alles funktioniert und der Ablauf reibungslos klappt. Dafür muss man nicht autoritär sein, sondern natürliche Autorität besitzen.

Lisa und Leaddog Indy

Nun stelle dir einfach vor, dein eigener Hund läuft vor dir an einer etwa zehn Meter langen Schleppleine, die er permanent unter Spannung halten soll. Das bedeutet, er soll dich zumindest leicht ziehen und gleichzeitig auf dem Weg bleiben, ohne zu stoppen oder abzubiegen. Und das alles soll er unabhängig davon tun, ob sich ein anderer Hund nähert, ein Kinderwagen entgegenkommt, oder ob es durch fließenden Straßenverkehr geht. So etwas ist nicht alleine durch Übung und Training zu erreichen. Es bedarf eben auch des Respektes und Vertrauens des Hundes und somit seiner Folgsamkeit. Auch dass deine Hunde dich als Chef akzeptieren, erfordert Respekt und Vertrauen. Und diesen Status erlangst du durch Kompetenz, Durchsetzung, Gerechtigkeit und Bewegung.

Ein jeder Hund braucht Bewegung, doch die meisten Halter unterschätzen den Bedarf ihrer Vierbeiner in dieser Hinsicht. Spazierengehen und Longieren befriedigen dieses Bedürfnis nicht, genauso wenig wie etwa Futtersuchspiele. Auch das Bevormunden durch Kommandos wie „Sitz“, „Platz“ oder „Komm“ hilft hier nicht weiter. Bewegung heißt Rennen in hohem Tempo – und das in rassespezifischen Distanzen. Unsere Alaskan laufen beispielsweise um die zwanzig Kilometer am Tag, wobei sie einen Wagen oder Schlitten ziehen. Würden sie locker neben einem Fahrrad laufen, könnten sie problemlos vierzig Kilometer und mehr schaffen. Und diese Größenordnung gilt für alle Hunde mit dieser Anatomie, zum Beispiel Rhodesian Ridgeback, Münsterländer, Weimaraner, Viszla, Malinoi, Herder, Border Collie, Aussie, alle möglichen Windhundrassen und so weiter.

Neben dem unterschätzten Bewegungsdrang werden die meisten Fehler im Zusammenhang mit der Gerechtigkeit gemacht. Das bedeutet, dass man dem Hund nichts überstülpt oder in ihn hinein interpretiert, was seinem Wesen nicht entspricht. Ungerechtigkeit entsteht, wenn ich ihm etwas zuspreche, was er nicht hat. Auch wenn derlei Fehler nicht bewusst begangen werden, verhindern sie immer wieder aufs Neue den Aufbau von Vertrauen. Denn dieses muss man sich verdienen, genau wie Respekt, und beides bekommt man nicht mit Leckerlis oder das Hantieren mit einem Clicker. Vertrauen baut sich einzig und allein durch die Art des Umganges mit dem Hund auf.

Nur so kann es funktionieren, dass wir mit sechs oder mehr Hunden an anderen Artgenossen vorbeifahren können, ohne dass herumgekeift oder -gezickt wird, oder sonst irgendetwas in der Art. Nur so können läufige Hündinnen neben intakten Rüden im Gespann laufen und muss nicht jeder Grashalm markiert werden. Und auch nur aus diesem Grunde hören sie auf unsere Anweisungen und befolgen sie zuverlässig – ganz ohne Leckerlis oder sonstige moderne Drangsalisierungsmethoden für Hunde.

Wenn du nun mehr zum Umgang mit Hunden wissen möchtest: www.pfoten-pfad.de

Eine weitere häufig gestellte Frage unserer Gäste lautet, ob die Huskys ausschließlich draußen gehalten werden. Ja, sie sind an 365 Tagen im Jahr an der frischen Luft. Sie haben selbstverständlich die Möglichkeit, in mehreren Hütten und auch in einer geräumigen Scheune Schutz zu suchen, aber selbst bei Sturm und Gewitter haben wir Huskys erlebt, die sich die Wetterlage interessiert im Freien, in ihrem Gehege anschauten.

Kann man bei einer solchen Anzahl dem einzelnen Hund denn überhaupt noch gerecht werden? Jawohl, das kann man sehr wohl. Wir kennen jedes einzelne Tier ganz genau, und da reicht meist schon ein kurzer Blick, um zu sehen, ob es einem der Huskys gut geht oder eben nicht. Denn auch außerhalb der Zughunde-Saison sind wir täglich bei den Hunden. Es geht dabei nicht nur um das Füttern sondern auch darum, mit ihnen Kontakt zu halten und uns mit ihnen zu beschäftigen. Außerdem betreiben wir an diesem Husky-Rudel auf einfache Art und Weise Verhaltensforschung. Dadurch konnten wir beispielsweise bei den Teilnehmern des Angebotes „Ein Blick ins Rudel“ für so manche Überraschungsmomente sorgen, weil sich Mythen und Dogmen aus der Hundeszene auf einmal als völliger Quatsch entpuppten.

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